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Schützenmedaille

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Von der Idee, eine Glocke gießen zu lassen
von Günther Schmitt

Glocken sind dem Menschen sehr verwandt. Sie lieben die Gemeinschaft und nur gemeinsam kommen sie zum Schwingen und zu klingender Harmonie. Eine eingeschworene  Gemeinschaft, dass sind auch die Ahrweiler Sankt Sebastianus-Bürgerschützen. Ihnen liegt es  anlässlich ihres 600-jährigen Bestehens in 2003 am Herzen, die Glocken von Sankt Laurentius durch  eine Stiftung zu vervollständigen und dafür zu sorgen, dass im Ahrweiler Glockenstuhl das drittgrößte Geläut im gesamten Bistum Trier hängt.
Für diese Arbeit verpflichteten sie Hans August Mark, Seniorchef der Eifeler Glockengießerei in Brockscheid. Dort, an den Maaren, wo vor 14000 Jahren Vulkanausbrüche das Bild der Eifel prägten,  lässt er mehrmals im Jahr Feuer erglühen, bringt im Schmelzofen die Bronze zum "Kochen" und füllt die  "Glockenspeise" ein . Sein Kapital ist sein enormes Fachwissen und das Geheimnis seiner Glockenrippe,  mit der er Größe, Gewicht und Ton bestimmt.
Die Kunst wurde ihm übertragen von August Mark, seinem  Großvater, Paten und Lehrmeister. Und auch er versucht seit vielen Jahren, sein handwerkliches Können  und sein Musikverständnis seiner Tochter Cornelia Mark-Maas und seinen rund 20 Mitarbeitern mit auf den Weg zu geben.
Die Marks gehören zu einer von sechs Glockengießerdynastien, die es noch in der Bundesrepublik gibt.  1840 machten sie sich in Brockscheid sesshaft, die Tradition geht aber bis ins Jahr 1620 zurück, wo  Glockengießer auf Wanderschaft stets dort arbeiteten, wo die Glocken auch benötigt wurden.
Gerät der Senior, obwohl immer beschäftigt und stets auf dem Sprung, abends der Letzte und morgens der Erste, einmal ins "Verzälle", dann bemerkt sein Gegenüber schnell, dass Hans August Mark ein Mann mit  Visionen ist. Ein unermüdliches Arbeitstier, ein "Workaholic", der nichts dem Zufall überlässt.
"Die Ahrweiler Glocke, so wie von den Schützen in Auftrag gegeben, habe ich schon rund 20 Jahre im Kopf." Immer schon war er durch Verwandte auf dem Ahrweiler Kanonenwall mit der Rotweinmetropole verbunden. Auch der legendäre Trinkzug der Ahrweiler Schützen ist ihm ein Begriff.
Viele Glocken im Ahrtal tragen seine Handschrift oder lassen seinen Ton erkennen. Den er übrigens immer trifft: in den 60-er Jahren in Heppingen, auch in Heimersheim. "Eine der schwierigsten Glocken in Sachen Denkmalpflege war die in Altenahr", fällt ihm so ganz nebenbei ein. In einer Festschrift der Sankt Pius-Pfarrei in Bad Neuenahr-Ahrweiler sind seine Werke abgebildet und mit einem treffenden Zitat von Reinhold Schneider umschrieben: "Verlieren die Glocken die Gewalt über den Lärm, die Türme die Herrschaft über die Dächer, so ist keine Hoffnung und kein Leben mehr."
Marks Glocken läuten im Kölner Dom genauso wie in Rumänien und in Sankt Petersburg, in Nigeria und  Korea, in Argentinien und in China. Und wann immer er seine Firma alleine lassen konnte, ging er mit seinen Glocken auf Reise, um sie auch noch fachgerecht und meisterhaft in schwindelnder Höhe anzubringen. Zur Zeit arbeitet er an seiner größten beruflichen Herausforderung: an der schwersten Glocke Europas, und er verrät nicht, wo sie die Gläubigen zum Gebet rufen wird. "En passant" erzählt er dem faszinierten Besucher dann noch, dass er dem Fraunhofer Institut für eine Forschungsarbeit zum Thema Glocken die Versuchsanlage zur Verfügung gestellt hat. Erwähnt es kurz und entschwindet mit seinem "Mädchen für Alles", Andreas Schneider, zum nächsten Auftrag in Echternach. Auch in Schneider schwingt ein Ton der Passion mit. Den Studenten packte vor sieben Jahren die Glocken-Leidenschaft. Aus einem Sommer-Aushilfsjob und dem Biegen kleiner Klöppel wurde eine Liaison fürs Leben; noch heute arbeitet er in seiner Freizeit in der Glockengießerei. Die Leidenschaft für dieses seltene Handwerk, das noch durch keine Maschine verdrängt werden konnte, ist wohl die wichtigste Grundlage.
Und die hat auch Cornelia Mark-Maas. Die junge Frau wird irgend wann den Betrieb übernehmen und weiß schon längst, was Sache ist. Gerade erst nach anstrengender körperlicher Arbeit entstaubt, schaut sie dem Lehrling noch beim Mauern auf die Finger, ehe sie Tipps beim Schleifen gibt, um sich dann der Buchführung am PC hinzugeben und die E-Mails zu checken.
Die Auftragbücher sind voll; 2000 ist nun mal das Heilige Jahr und der Beginn eines neuen Jahrtausends, das viele Kirchengemeinden mit neuen Glocken begrüßen wollten. So weit ist es mit der Ahrweiler Schützenglocke, die fast 70 000 Mark kosten wird, zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Kronenform, die gesondert hergestellt wird, ist fertig: ein Modell aus Wachs, das mit Lehm überzogen wird. Im Trockenofen wird das Wachs herausgeschmolzen und dann kann die Kronenform eingepasst werden. Die Glocke wird ein Gewicht von mehr als zwei Tonnen haben und etwa mannshoch sein. Mit dem Grundton "cis" wird sie sich in das bestehende Geläut einpassen. Sie soll erinnern an die gemeinsame Geschichte von Schützen, Bürgern, Stadt und Kirche. Die Glocke wird den Namen des Heiligen  Sebastianus, Schutz- und Namenspatron der Ahrweiler Bürgerschützen, erhalten. Sein Bild als Märtyrer und eine Inschrift, die den Glockennamen, die Stifter sowie den Stiftungsanlass erläutert, modelliert der Ahrweiler Glasmaler Jürgen Maur in Wachs.

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