Im
Ahrweiler Tal oberhalb vom
Kloster Calvarienberg, auf dem
Schießplatz der Ahrweiler
Schützen in der Quarzkaul,
brandete am
Dreifaltigkeitssonntag um 19.10
Uhr erster Beifall auf. Soeben
hatte einer der zwei
Königskandidaten der St.
Laurentius-Junggesellen-Schützengesellschaft
den Rest des Königsvogels von
der Stange geholt. Wer der
glückliche Schütze war, war in
diesem Moment noch nicht bekannt
und es sollte auch noch eine
Weile dauern, bis Markus Koll
auf den Schultern seiner
Kameraden aus dem verbergenden
Zelt getragen wurde und in der
Quarzkaul und im dort
aufgebauten Zelt bei den
Schützen und interessierten
Zuschauern der Beifall
aufbrandete.
Am Abend
zuvor hatte der Spielmannszug
der St.
Laurentius-Junggesellen-Schützengesellschaft
mit einem Zapfenstreich auf dem
Ahrweiler Marktplatz das
Schützenfest eröffnet und am
Sonntag in den frühen
Nachmittagsstunden ihren bis
dahin noch amtierenden
Schützenkönig Stefan Pantenburg
ein letztes Mal zum Ahrtor
hinaus in die Quarzkaul
begleitet. Hier hatte es noch
eine ganze Weile gedauert - bis
18 Uhr -, bis die zwei
Kandidaten um die Königswürde -
Markus Koll, 26 Jahre alt und
lange Jahre im Vorstand der
Junggesellen seiner Hut und der
Junggesellenschützen tätig sowie
Peter Ropertz, 24 Jahre alt und
amtierender Hauptmann der
Gesellschaft - in das unterhalb
des aufgerichteten hölzernen
Vogels verbergende Zelt traten,
um mit ihrem Wettstreit zu
beginnen. 65 Schuss mussten
fallen, bis der Rest des
Königsvogels von der Stange
fiel.
Im Festzelt
verkündete dann der
Junggesellen-Hauptmann: "Wir
haben einen neuen König" und der
mit dem Königsschuss entthronte
Stefan Pantenburg bekleidete die
neue Majestät mit den Zeichen
der soeben gewonnenen Würde, mit
Königskette und Zepter. Im
Schmuck dieser Insignien
geleiteten die jungen Schützen
ihre neue Majestät hinunter nach
Ahrweiler. Hier zog unter den
feierlichen Klängen von "Tochter
Zion" und dem festlichen Geläut
der St.-Laurentius-Kirche der
neue König Markus Koll, herzlich
von vielen Bürgern und auch
Zuschauern begrüßt, durch das
Ahrtor in die Stadt Ahrweiler
ein. Hier stellten ihn die
Schützen dem Pfarrherrn, dem
Stadtoberhaupt und dem König der
Bürgerschützen vor. Und dann
feierten die Junggesellen ihre
neue Majestät.
In das
Festgeschehen der Schützenfest-
und Fronleichnamswoche kehrte
damit zunächst eine Pause ein.
Die Königsglieder der
Junggesellen- und der
Bürger-Schützen traten erst am
Mittwoch wieder an, um mit einem
Zapfenstreich auf dem Marktplatz
das Festgeschehen um das
Fronleichnamsfest einzuleiten,
eines der höchsten Feste im
Jahresablauf der Schützen.
In den
frühen Morgenstunden des
Fronleichnamtages rief die
Reveille der aufziehenden
Musikkorps der
Schützengesellschaften die
Schützen der drei historischen
Ahrweiler Schützengesellschaften
zusammen, die dann gemeinsam das
Festhochamt zum
Fronleichnamsfest besuchten, um
nach Ende der Messe die sich
formierende
Fronleichnamsprozession der
Gläubigen durch und um die Stadt
zu geleiten. Nachdem an allen
vier Stadttoren der Segen für
Stadt und Land erteilt war,
zogen die Prozession und auch
die begleitenden Schützen wieder
in die Stadt ein, wo die
Schützen das in die Kirche
einziehende Allerheiligste
nochmals feierlich grüßten.
Und dann
entwickelte sich auf dem Markt
das Zeremoniell der Schützen:
Die drei Majestäten der drei
Gesellschaften schreiten die
Front der angetretenen
Gesellschaften ab, die Schützen
grüßen ihre Heimatstadt und ihre
Majestäten mit dreifachem Salut
und anschließender Parade.
War der
Vormittag des Fronleichnamstages
der Erfüllung der kirchlichen
Ehrenpflicht mit dem Geleit der
Prozession gewidmet, der weitere
Vormittag dem glanzvollen
äußeren Rahmen des
Festgeschehens, so blieb der
Nachmittag dem Geschehen in den
Gesellschaften vorbehalten.
Nach dem
gemeinsamen Mittagessen der
Bürgerschützen galt der
Willkommensgruß des Hauptmanns
Willi Busch allen Bürgerschützen
wie auch ihren Ehrengästen,
unter ihnen Dechant Jörg Meyrer,
Landrat Dr. Jürgen Pföhler,
Bürgermeister Dr. Hans-Ulrich
Tappe, Erster Beigeordneter
Guido Orthen wie auch die
anwesenden Ortsvorsteher.
In seiner
Begrüßung der versammelten
Schützen verwies Hauptmann Willi
Busch darauf, dass sich die Welt
um uns herum in einem stetigen
Wechsel befinde, und das gelte
auch für die Schützen, wenn
diese an ihrem Ritual der
Begleitung der
Fronleichnamsprozession
festhalten. Das trage dazu bei,
das Leben in Ahrweiler lebens-
und somit auch liebenswerter zu
machen. Ein erstes Grußwort
richtete an diesem Nachmittag
sodann der König der
Bürgerschützen, Hans-Georg
Klein, an seine Schützenbrüder
und sagte dabei Dank für ein
gutes Jahr als Repräsentant der
Gesellschaft, der, obwohl kein
gebürtiger Ahrweiler, hier eine
Heimat gefunden hat und sich
voll integriert fühlt. Dechant
Jörg Meyrer dankte den Schützen
für die Begleitung der
Prozession, die nicht nur
dadurch in Ahrweiler zu einem
einmaligen Erlebnis wird. Dieses
Erleben gehe, so Dechant Meyrer
"ans Herz und ich glaube, so
etwas gibt es nur in Ahrweiler
und dafür sage ich Danke!".
Auch
Landrat Dr. Jürgen Pföhler sieht
in dem Festablauf der Schützen
an Fronleichnam ein
beispielsloses Bekenntnis zur
Gemeinschaft und zum Glauben.
"Das ist der Kitt zwischen
Geschichte, Tradition und
Brauchtum." Als Beweis erinnerte
er an das Geschehen um den
damaligen preußischen
Kronprinzen und späteren König
Friedrich Wilhelm IV. und die
Schützen im 19. Jahrhundert.
In seinem
kurzen Grußwort verwies
Bürgermeister Dr. Tappe auf das
Geschehen um die Stadthalle, die
inzwischen in den Besitz der
Stadt übergegangen ist und in
der die Stadt mit Umbauten für
eine bessere Nutzungsmöglichkeit
und eine bessere Akustik sorgt.
Zum Ende
der Festversammlung hieß
Hauptmann Willi Busch die 22
neuen Mitglieder der
Gesellschaft, die sich in das
Seelenbuch eintrugen und die ein
erstes Mal an der
Fronleichnamsprozession
teilnahmen, in den Reihen der
Schützen willkommen. Zum Ende
der Festversammlung ehrte er
zusammen mit dem amtierenden
König die langjährigen Schützen,
die bereits 25 und 40 Jahre der
Gesellschaft angehören. Mit
40-jähriger Mitgliedschaft sind
dies Engelbert Daute und Rudolf
Weltken vom Königsglied sowie
Josef Krämer vom
Oberleutnatsglied. Seit 25
Jahren Mitglied sind: Willi
Dievernich, Reinhard Eisenhart
und Theo Jakobs
(Leutnantsglied), Manfred
Rheindorf (Oberleutnantsglied),
Burkhard Hoffmann
(Tambourcorps), Manfred
Friedrich, Wolfgang Harz und
Günther Schmitt
(Unterleutnantsglied) sowie
Winfried Schneider
(Königsglied).