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Die Bürger
zollen ihren Schützen Tribut
TRADITION Beim historischen Trinkzug in Ahrweiler wird die Nacht
zum Tag.
Der Faszination des einmaligen Schauspiels kann sich niemand
entziehen.
Es ist die
Nacht des Jahres, die Nacht der Nächte, auf die alle Ahrweiler
Schützen seit drei Jahren sehnsüchtig gewartet haben. In der
Nacht zum Montag kann sich niemand der Faszination und der
einmaligen Stimmung im Mauerrund beim historischen Trinkzug
entziehen.
Der Vollmond
scheint über der Stadt, an 130 festlich geschmückten Altärchen
in der historischen Altstadt kredenzen die Bürger den Ehrentrunk.
Tausende von Menschen füllen die Straßen bis in die
Morgenstunden (07.00
Uhr), um dem außergewöhnlichen Spektakel beizuwohnen.
"De Zuch
kütt" , ruft jemand aufgeregt um kurz nach 20 Uhr. Nein, der
Mann hat sich nicht in der Jahreszeit vertan. Es ist schon
richtig, was er sagt. Erwartungsvoll stehen die Besucher in den
Straßen, um auch ja nicht den Anfang des unvergleichlichen
Schauspiels zu verpassen. Es erklingt ein erstes "Zum
Wohl". Die Schützen salutieren und ziehen zum nächsten
Altar. Vor dem Niedertor hat sich ein schier endloser Zug
aufgestellt. Hunderte Ahrweiler Schützen machen sich bereit zum
Einmarsch in die Stadt. Aber wenn sie eines haben an diesem Abend,
dann ist es Zeit. Die brauchen sie auch, denn an jedem der
Altärchen, die die Einwohner aufgestellt haben, wird natürlich
ein kleiner Plausch gehalten und sich bedankt.
Die Altäre
haben die Bürger liebevoll mit Kerzen und Blumen geschmückt.
Traditionsgemäß ist der Trinkzug als Dank der Einwohner an die
Schützen gedacht und hat seinen Ursprung im Spätmittelalter. Er
findet in der heutigen Zeit alle drei Jahre statt und dient auch
dazu, den neuen Bürgerschützen- und Junggesellenkönig
vorzustellen. Spontaner Beifall brandet deshalb immer dann auf,
wenn die neue Majestät der Bürgerschützen, Kurt Pantenburg,
oder der immer noch sichtbar überwältigte und mit glänzenden
Augen von "Ex" und "Ex-Ex" Jan Terporten und
Markus Kriechel flankierte Junggesellenschützenkönig Georg
Knieps aus Walporzheim vortreten.
Für Fremde
scheint dieses Ereignis meist etwas ungewöhnlich, gibt es doch
nichts Vergleichbares in ganz Deutschland. Schützen- und
Junggesellenvereine kennen sie, aber einen Trinkzug?
"And that is the new king" , erklärt eine Frau einem
Bekannten, als der neue Schützenkönig vorbeizieht. Der
Engländer lässt sich alles genauestens schildern. Das ist aber
nicht ganz so einfach. Schließlich muss erst einmal eine passende
englische Übersetzung für Trinkzug gefunden werden.
Für einige der
Bürgerschützen spielt auch beim Historischen Trinkzug die
Fußball-WM eine gewichtige Rolle. Als Angehörige des
Gefahrstoffzuges des Kreises müssen sie sich am Montag in der
Frühe mit ihren Einsatzfahrzeugen nach Kaiserslautern auf den Weg
machen. Sie zählen zu den rheinland- pfälzischen
Sicherheitskräften, die rund um das Fritz-Walter-Stadion bei der
Begegnung "Australien - Japan" im Einsatz sind. Für die
betroffenen Schützen heißt das: vorzeitiges Ausscheiden aus dem
Trinkzug. Auch uniformiert, aber im Grün der Polizei, ziehen Jo
Platz und sein Kollege Frank Theisges dienstlich
"streifend" durch die Stadt. "Keinerlei
Vorkommnisse und Ausfälle" , vermeldet Stadtwehrleiter Platz
kurz vor Mitternacht. "Noch nicht, dann frag mal in ein paar
Stunden nach" , kontern die Schützen.
Für
Musikeinlagen mit klingendem Spiel sorgen nicht nur die
Tambourcorps der beiden Gesellschaften und die Musiker der
Musikvereinigung, sondern auch erstmals die Musiker der
Musikkapelle Grafschaft-Leimersdorf. In dieser Nacht wagen häufig
Schützen mit Besucherinnen ein Tänzchen, immer dann, wenn flotte
Walzermelodien erklingen. So packt sich Ahrweilers Polizeichef
Peter Krämer die frühere Burgundia Julia Strack "in et
Ärmche" , um unterm Sternenhimmel zu schwofen.
Vorzügliche
Weine schimmern bei Kerzenschein in den Gläsern. Manch guter
Tropfen glänzt mit Auszeichnungen und Preisen. Den
gesellschaftseigenen Wein der Schützen hat sich unter anderem
auch Bürgermeister Hans-Ulrich Tappe beschafft und kredenzt
diesen gemeinsam mit der Ahrweinkönigin Diana Knieps auf dem
Markt. Bei Dechant Jörg Meyrer gibt es noch den vorzüglichen
Tropfen vom Jubiläum zum 800-jährigen Bestehen der Pfarrei.
Meyrer schmunzelnd: "Ich hatte den Schützen angeboten, auf
das Altärchen am Pfarrhaus aus Zeitgründen zu verzichten. Doch
das wollte Hauptmann Willi Busch denn doch nicht."
Am Altar der
Volksbank kommt niemand vorbei: an Bernhard Kaiser nicht, aber
auch nicht an Christoph Kniel und Paul "Rummenigge"
Radermacher. Sie begrüßen sogar den Schützenkameraden
Karl-Heinz Knieps, der die unumstritten weiteste Anreise hat: Der
in Thailand lebende Ahrweiler hat sich extra fürs Große
Schützenfest zwei Wochen "Heimaturlaub" genommen.
Das
"Schlusslicht" bilden die Sankt Laurentius-Junggesellen,
die Unterstützung aus Lantershofen erfahren. Schwarz auf Weiß
dokumentiert das Dreier-Team um Dirk Hennemann, der schon früh
stimm-, aber nicht sprachlos ist, das ZUG-EN-DE.
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