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Das
Hauptmannglied
Vortrag von Chronist Hans-Georg Klein
bei der Jahreshauptversammlung 14.03.2008
1740 bestimmt der Rat der Stadt
Ahrweiler den Ratsverwandten Jakob Maria Muttone zum
Leibschützen. Mit Leibschütze bezeichnete man den
Büchsenspanner eines Herrschers. Was der Leibschütze in
unserer Gesellschaft war, entzieht sich noch meinen
Kenntnissen. Uns sind in der Folge noch 47 weitere
Leibschützen bekannt. Aber so viel steht fest. Hier finden
wir die erste Untergliederung unserer Schützengesellschaft.
Aber nach 1800 taucht der Begriff nicht mehr auf.
Zum ersten Mal erscheint
dagegen im Jahr 1804 das Hauptmannsglied als sicherer
Schützenzug. Die Winzer Peter Gies, Sohn von Peter, aus
Walporzheim und Peter Josef Fabri aus Marienthal treten in
das Hauptmannsglied der Gesellschaft ein. Es hieß damals
einfach „Hauptmann“. Damit haben wir den ersten sicheren
Beleg, dass das Hauptmannsglied vor 205 Jahren schon bestand
und bis heute ununterbrochen weiter besteht. Das ist nicht
selbstverständlich. So ist das Leutnantsglied beispielsweise
dreimal neu gegründet worden. In der Folge bilden sich
weitere Schützenkompanien heraus, so 1808 die
Wachtmeisterkompanie, das Königsglied usw.. Die Geschichte
der Entstehung der einzelnen Schützenzüge ist noch nicht
beschrieben worden und harrt noch seiner Erforschung. Aber
zurück zum Hauptmannsglied. Wie immer im Leben spielt das
Geld eine Rolle, ob wir wollen oder nicht. Das Geld gibt
auch meistens den sozialen Status an. Wenn wir uns die
Eintrittsgelder für den Eintritt in die Gesellschaft
betrachten, steht das Hauptmannsglied lange Zeit an der
Spitze. 1819 zahlt der Schützenbruder für den Eintritt ins
Hauptmannsglied 8 rtler, für das Fähnrichsglied und das
Leutnantsglied 6 rtlr und für das Wachtmeisterglied 4 rtlr.
In der Ordnung von 1826 ändert
sich das Bild nicht. Hauptmannsglied 8 rtlr, Fähnrichsglied
7 rtlr, Leutnantsglied 6 rtlr und Unterleutnantsglied 4 rtlr.
Also wer es sich leisten konnte, trat ins Hauptmannsglied
ein.
Wie viel Geld diese 8 rtlr
Eintrittsgeld waren, zeigt uns, dass die erste Rate sofort
beim Eintritt, die zweite Rate aber erst nach einem Jahr
fällig war.
1843 wurde die
Leibschützenkompanie (heute Elitecorps) gegründet. Das
Eintrittsgeld betrug zuerst 6 rtlr, später 9 rtlr. 1869
zahlte das Königsglied 10 rtlr Eintrittsgeld.
Jetzt kommt etwas
Sensationelles.
Ich darf aus dem Protokoll vom 2. Juni 1876 zitieren:
„Einstimmig wurde der Artikel §
15 wie folgt abgeändert.
1. dass
von heute an der Eintritt als Mitglied zur
Hauptmanns-Kompanie nur gegen Zahlung eines
Betrags von 21 Mark, und dergleichen zur
Leutnants-Kompanie gegen Zahlung von 14 Mark
erworben werden kann.
2.
dass ferner alle die den beiden
vorgenannten Kompanien sich Meldenden zunächst in die
Leutnants-Kompanie
eintreten und sofort mindestens 8 Mark zahlen müssen, nur
dass diejenigen, welche zur Hauptmanns-Kompanie
überzutreten wünschen, dieses erst nachdem sie zwei Jahre in
der Leutnants-Kompanie gewesen sind und den
ganzen Betrag von 21 Mark bezahlt haben, gestattet werden
kann. Hierbei bleibt indessen der bisherige
Gebrauch bestehen, dass die neu Eintretenden am Schluss des
Zuges sich anschließen müssen.“
Ende des Zitates!
Das Leutnantsglied als
Lehrkompanie des Hauptmannsgliedes.
Nach zwei Jahren Lehrzeit konnte man aufsteigen.
Zur Uniformierung das
Hauptmannsgliedes nur soviel. Die Ahrweiler Schützenzüge
trugen zu den Aufmärschen einen guten Anzug, den sogen.
Kommuniöner, dazu eine grüne Mütze, ähnlich wie die
Junggesellen-Mösche das noch heute tun. Bei der Gründung des
Elitecorps 1843 schaffte dieses sich sofort Uniformen an,
wie sie heute noch getragen werden. Selbst die Offiziere
hatten keine Uniformen. Sie trugen einen Gehrock mit
Zylinder, eine Schärpe und dazu einen umgeschnallten Säbel.
Erst 1857 wurden die Offiziere uniformiert. Das
Hauptmannsglied erhielt einheitliche Uniformen erst zum
Jubelfest 1903 und zwar waren das kurze grüne Joppen. Die
heutigen Waffenröcke kamen erst später in Gebrauch.
Soweit die Wertigkeit des Hauptmannsgliedes im Vergleich mit
den anderen Zügen.
Wäre noch zu klären, wer
Offizier gewesen ist.
Ursprünglich gab es einen Wachtmeister, der führte die
Wachtmeister-Kompanie; einen Leutnant, der führte die
Leutnantskompanie und einen Fähnrich, der führte die
Fähnrichs-Kompanie.
Also ist analog dazu anzunehmen, dass der Zugführer der
Hauptmanns-Kompanie der Hauptmann gewesen ist. Das galt bis
1843, als das Elitecorps gegründet wurde. Damals übernahm
der stellvertretende Hauptmann, der Oberleutnant, die
Führung der Hauptmanns-Kompanie. Dabei ist es dann
geblieben, obschon der Oberleutnant nicht mehr
stellvertretender Hauptmann ist.
Ich fasse zusammen:
1.
Das Hauptmannsglied ist das
älteste der heute bestehenden Schützenglieder.
2.
Das Hauptmannsglied besteht
seit mindestens 205 Jahren.
3.
Das Hauptmannsglied war in der
hierarchisch gegliederten Gesellschaft ganz oben
angesiedelt.
Deshalb war der
Name Hauptmannsglied ein „Rangname“.
Aber das ist Vergangenheit.“ |